Künstlerportrait Dyne

 

Gründer von Abstract Dreamtime 1998

Atelier in Berlin / Reinickendorf Dyne & Moll 1999

Atelier in Falkensee ( Dyne ) 2005

 

Dyne. Ein Gespräch mit dem Berliner Maler und Aktionskünstler Michael Mieth, der sich einen Namen gegeben hat, den man nicht vergisst. Den man vor allem nicht vergessen sollte!

Ein Name? Mehr als das: Eine Marke. Und das kam so: „Ich habe immer schon Graffiti gemocht – und so habe ich irgendwann einmal mein Sprüher-Label zu meinem Pseudonym gemacht.“ Dyne. „Für mich ist das die Düne am Meer. Mit y geschrieben, ist es eigentlich ein Gag. Jeder soll sich denken, was er will. Für mich ist Dyne die Sand-Düne. Eine Wüste. Die Leere. Und auch die Vollkommenheit des Meeres mit allem darin. Irgendwie auch die Gegensätze. Tag und Nacht. Leer und voll.“

Ganz schön viel für einen Namen? Überhaupt nicht. Kunst ist die Form, in der ich meine Gefühle ausdrücke. In der ich mich der Welt mitteile. Geheimnisse, die die Fassade verbirgt, werden in den Werken entschlüsselt.

Dyne über Dyne: „Am liebsten male ich abstrakt. Skulpturen. Ich forme gern Skulpturen aus Ton und anderen Materialien: Fieberglas, Bronze, ich würde gern Skulpturen aus Metall schweißen, aber dazu fehlt mir bisher noch der Platz. Ich muss nur die Gelegenheit haben. Ich lerne als Autodidakt und was ich sagen will, weiß ich schon. Bei dem Künstler Emanuel Eni habe ich mal gesehen, wie dieser einen Engel aus Fiberglas begonnen hat, das hat in mir eine unbändige Lust geweckt, das auch zu können.“

Warum Dyne malt? „Von den Materialien ist es günstig. Ich kann viele Werke erschaffen ohne viel Eigenkapital zu haben. Es genügt eine Leinwand und die Farbe.“

Immer ist ein Schmunzeln in seinem Gesicht, während er bedächtig erzählt: „Der erste Stoff, den wir uns für Leinwände geholt haben, hatten wir aus einem Kreuzberger Keller: sehr dünn und riss leicht – mein Mentor Vicente Moll, sein Sohn Ian Moll – mit dem ich zur Schule gegangen bin - und ich haben ihn Rattenstoff genannt. Manche nehmen auch Betttücher. Ich ziehe richtige Leinwand vor, wenn ich sie bezahlen kann. Aber der Rattenstoff war einfach eine billige Alternative. Teilweise durchlöchert, sah er aus, als hätten ihn Ratten angefressen. Auf so einem Stoff habe ich angefangen. Wir haben uns mehrere Meter gekauft und legten los. Heute weiß ich, dass sich die Investition für gute Leinwand lohnt, weil man Kunstwerke schafft, die die Zeit überdauern.“

Aber vielleicht sollte man damit anfangen, dass ein Künstler heute wirklich kein leichtes Leben hat. Dyne: „Ich musste über viele Hürden laufen, um meine ersten Ziele zu erreichen und um im Gespräch zu bleiben. Wichtig ist ja, dass die Kunstmäzene das Interesse an einem Künstler nicht verlieren. Also muss ein Künstler irgendwie auch Manager sein: Manager seiner eigenen Kundenakquise zum Beispiel. Immer wieder anrufen, immer wieder da sein. Jeder, der mal ein Bild von mir gekauft hat, ist heute noch in meinem Kalender. Wir halten Kontakte und ich freue mich immer wieder über Ideen und Inspirationen von ihnen. Bin auch immer wieder überrascht und stolz darauf, wie viele Menschen, die in ihrem Leben schon viel erreicht haben, Kunst von mir kaufen oder kaufen wollen.“

Anerkennung als Motor? Dyne: „Ja, diese Anerkennung hilft und treibt mich immer wieder voran. Hilft zugleich, neue Ideen zu entwickeln und schon umgesetzte Ideen neu zu vermarkten – am Ball zu bleiben, heißt das wohl.

So will ich die Welt, in der ich mich befinde, und meine unmittelbare Umgebung, im positiven Sinn ein bisschen verändern. Das ist etwas, das von innen heraus kommt. Deshalb versuche ich, symbolträchtige Kunst, Kunst, die etwas ausdrückt und positiv sein soll und so wahrgenommen wird, zu schaffen. Die Menschen sollen den schweren Alltag etwas vergessen und sich an der Schönheit und den Facetten des Seins erfreuen. Das ist wirklich so ein Ziel von mir, in der Kunst das Positive unter die Menschen zu bringen. Ihnen zu sagen: Ist nicht alles so schlimm, wie es scheint, morgen ist ein neuer Tag und wir gehen mit neuer Kraft hinein.“

Welche Motive profitieren davon? Dyne: „Welche ich wähle? Nun, ganz unterschiedliche. Gesichtsausdrücke gern. Von Menschen in bestimmten Gefühlssituation oder in Situationen des Lebens, die prägen. Skulpturen, die von der Ausstrahlung her wachrütteln.

Meistens wähle ich meine Motive spontan aus. Manchmal auch aus Träumen, die ich mir aufschreibe, wenn ich nachts aufwache. Meistens schreibe ich meine Träume auf – und dann male ich los.“

Wo? Dyne: „Oft sind es Situationen im Alltag, S-Bahn, U-Bahn, Obdachlose, Punker. Ich habe viel gelernt von Menschen unterschiedlicher Kultur, die ihren Ursprung in verschiedenen Regionen der Welt haben und sich auf der Kreuzung der Welt in Berlin versammeln, die einem begegnen, verschiedene kulturelle Ausdrucksweisen, Schlipsträger, potentielle Auftraggeber, Landmenschen, die See, die Landschaften, die die Menschen prägen – Ideen kommen überall her, man muss nur versuchen, sie festzuhalten, damit man sie nicht aus den Augen verliert. Der mallorquinische Maler Vicente Moll war in den Anfängen als Künstler mein Mentor. Von ihm lernte ich vor allem nicht nur die Kunst, sondern auch die Toleranz schätzen.“

Und schließlich muss man diese Ideen natürlich umsetzen. Dafür braucht man Zeit und die Disziplin, die Zeit für die Kunst einzusetzen und nicht für Partys, bei denen man sich einlullt.

Dyne: „Egal, was auch immer man am Tag tut und in welche Geschäfte man geht, egal, wo man sich aufhält oder welche Konsumform man bevorzugt, Medien, Selbsterlebtes, es gibt immer genug, was man in Kunst umsetzen kann, um die eigene Interpretation der Welt zu veröffentlichen und kenntlich zu machen. Das Vergessen der Oberflächlichkeit um der Dinge hinter den Fassaden willen ist die Essenz unserer Neugierde und ihre ehrgeizigste Form.“ GT 09/2009

Das Gespräch mit Dyne alias Michael Mieth führte Norbert Gisder

Der Text wurde entnommen dem Magazin www.gt-worldwide.com